VGKC (spannungsabhängige Kalium-Kanäle)-Komplex-Antikörper

VGKC-Komplex-Antikörper wurden erstmals zwischen 1995 und 2001 bei verschiedenen klinischen Syndromen entdeckt, z. B. limbischer Enzephalitis, Morvan-Syndrom oder Neuromyotonie.  Während der letzten Jahre fand man jedoch heraus, dass VGKC-Komplex-Antikörper drei Gruppen von Antikörpern mit unterschiedlichen Eigenschaften und klinischer Bedeutung umfassen:

  1. Antikörper gegen LGI1
  2. Antikörper gegen CASPR2
  3. Antikörper gegen andere Antigene

Antikörper gegen LGI1 und CASPR2 binden an extrazelluläre Domänen Kaliumkanal-assoziierter Proteine, sind also typische Antikörper gegen Oberflächenantigene und besitzen eine pathogene Relevanz. Sie sind mit spezifischen Krankheitsbildern korreliert:

LGI1 – Limbische Enzephalitis, FBDS, Hyponatriämie
CASPR2 – Limbische Enzephalitis, Neuromyotonie, Morvan-Syndrom, Neuropathischer Schmerz

Die LGI1- und CASPR2-Antikörper-assoziierten Syndrome sprechen gut auf Immuntherapie an. CASPR2-Antikörper können mit Tumoren (Thymome) assoziiert sein.

Demgegenüber besitzen Antikörper gegen den VGKC-Komplex, die nicht gegen LGI1 und CASPR2 gerichtet sind, keine klinische Relevanz in der Initialdiagnostik. Diese Antikörper sind gegen intrazelluläre Bestandteile des VGKC-Komplexes oder sogar gegen das im Test zur Markierung der VGKC-Komplexe eingesetzte 125J-α-Dendrotoxin gerichtet. Sie sind mit heterogenen klinischen Syndromen assoziiert, ohne sicheren Hinweis auf eine autoimmune Genese und kommen auch bei 5% der Kontrollpersonen vor (1).

Auch als alleiniger Screening-Test für das Vorliegen von LGI1- oder CASPR2-Antikörpern ist die Untersuchung auf VGKC-Komplex-Antikörper nicht geeignet, da die Methode weniger sensitiv ist und niedrigtitrige  LGI1- und CASPR2-Antikörper nicht erfasst (2).

Die Diagnostik auf LGI1-Antikörper und CASPR2-Antikörper ist Teil des Standardprogramms für neurale Antikörper im Labor Krone.

Literatur:
1. Lang B, et al. J Neurol Neurosurg  Psychiatry. 2017 Apr;88(4):353-361
2. van Sonderen et al., Neurology. 2016 May 3; 86:1692-1699